Akute lymphatische Leukämie (ALL) (2023)

  • KNL
  • Patienten
  • Leukämien
  • ALL

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine bösartige Erkrankung, die ihren Ausgang von unreifen Vorstufen der Lymphozyten nimmt. Die ALL ist die häufigste Form der Leukämie im Kindesalter, bei Erwachsenen tritt sie eher selten auf. Auf dem Gebiet der ALL wurde in den vergangenen Jahrzehnten intensive Forschungsarbeit geleistet und die Zahl der Heilungen hat infolgedessen deutlich zugenommen. Die Diagnose einer ALL sollte daher nicht zu Hoffnungslosigkeit führen. Eine früher unheilbare Erkrankung ist in vielen Fällen heilbar geworden!

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems (Blutkrebs), bei der eine frühe Vorstufe der Lymphozyten entartet und sich unkontrolliert vermehrt. Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen und Teil des Immunsystems. Ihre Vermehrung und Erneuerung sind bei gesunden Menschen strikt reguliert. Bei der ALL ist dieser Prozess außer Kontrolle geraten:
Durch Veränderungen des Erbmaterials einer unreifen Vorstufe der Lymphozyten beginnt die betroffene Zelle, sich ungebremst zu teilen und zu vermehren, ohne sich jedoch zu normalen, funktionstüchtigen Lymphozyten zu entwickeln. Die entstehenden Zellen werden als lymphatische Blasten oder Lymphoblasten bezeichnet. Sie breiten sich rasch im Knochenmark aus und behindern dort die Bildung gesunder Blutkörperchen. Über das Blut und das lymphatische System werden die Blasten schließlich im Körper verteilt und können andere Organe befallen und schädigen.

Ursachen und Häufigkeit

Die akute lymphatische Leukämie ist keine erbliche Krankheit und ist - ebenso wie andere Krebsformen - weder ansteckend noch kann sie auf andere Menschen übertragen werden. Ursache der ALL sind bösartige, genetische Veränderungen im Knochenmark, die im Laufe des Lebens erworben werden. Als Risikofaktoren hierfür gelten ionisierende Strahlung und bestimmte chemische Substanzen. Auch einige Medikamente, die selbst zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden, können in seltenen Fällen noch Jahre später eine sogenannte sekundäre ALL auslösen. In den allermeisten Fällen bleibt es jedoch völlig unklar, was der Auslöser der Krankheit gewesen ist.

Die ALL ist eine seltene Krebserkrankung. Jedes Jahr werden etwa 1,1 Fälle pro 100.000 Einwohner neu diagnostiziert. ALL kann alle Altersgruppen betreffen, ist aber am häufigsten bei Kindern unter 5 Jahren (5,3 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr). Ab dem 6. Lebensjahr sinkt die Wahrscheinlichkeit, an einer ALL zu erkranken. Im Erwachsenenalten nimmt die Erkrankungshäufigkeit ab dem 50. Lebensjahr wieder stetig zu. Bei den über 80-Jährigen erkranken jährlich etwa 2,3 Menschen pro 100.000 Einwohnern, wobei Männer insgesamt etwas häufiger betroffen sind als Frauen.

Symptome

Die Symptome der ALL entwickeln sich meist innerhalb weniger Wochen. Sie entstehen zum einen durch die zu geringe Anzahl normaler Blutzellen und zum anderen durch den Befall von Organe mit lymphatischen Blasten:

  • Blutarmut (Anämie, Verminderung der roten Blutkörperchen) führt zu Blässe, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verminderte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, allgemeiner Schwäche und Unwohlsein
  • Verminderung der Thrombozyten (Thrombopenie) verursacht Blutungen (kleine punktförmige Hautblutungen (Petechien), blaue Flecken, Nasenbluten, verlängerte Blutungen z.B. nach Zahnarztbesuch oder nach Verletzungen, verlängerte Regelblutungen bei Frauen)
  • Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) erhöht die Infektanfälligkeit
  • Vermehrung der Leukozyten (Leukozytose) durch die Überproduktion lymphatischer Blasten
  • Gelenk- und Knochenschmerzen durch die Ausbreitung der Blasten in den Knochen, bei etwa einem Drittel der Patienten (insbesondere bei Kindern)
  • Organbefall:
  • Schwellung der Organe des lymphatischen Systems (Lymphknotenschwellungen, Vergrößerung der Milz mit Druckgefühl im linken Oberbauch, Vergrößerung der Leber mit Druckgefühl im rechten Oberbauch, Vergrößerung der Thymusdrüse oder der Lymphknoten im Brustraum mit Atemnot, Schwellung der Venen im Halsbereich)
  • obgleich selten: Befall des Gehirns, des Rückenmarks oder der Hirnhaut mit neurologische Veränderungen wie Kopfschmerzen, Sensitivitätsstörungen oder Nervenlähmungen; die Nervenlähmungen können sich durch Doppeltsehen, hängende Augenlider oder Mundwinkel äußern
  • Befall anderer Organe (Haut, Schleimhaut, Hoden oder Brust) ist eher selten bei ALL Ersterkrankungen, häufiger bei Rückfällen zu beobachten
  • Entstehung eines Tumors im Mediastinum (Raum zwischen Brustbein und Brustwirbelsäule) (nur bei T-ALL)

Viele Patienten verlieren zudem ihren Appetit und nehmen stark ab. Die Hälfte der Patienten leidet unter Fieber, das infolge der Leukämie oder im Zusammenhang mit gleichzeitig bestehenden Infektionen beobachtet werden kann. Manche Patienten haben kaum Beschwerden und die Leukämie wird zufällig während einer routinemäßigen Blutuntersuchung entdeckt.

Alle beschriebenen Symptome treten auch im Rahmen anderer, vergleichsweise harmloser Erkrankungen auf und haben in den meisten Fällen nichts mit Leukämie zu tun. Bei anhaltenden Beschwerden ist es jedoch ratsam, die Ursache von einem Arzt abklären zu lassen. Liegt tatsächlich eine akute lymphatische Leukämie vor, muss schnellstmöglich mit einer Therapie begonnen werden.

Diagnostik der ALL

Bei Verdacht auf Leukämie sind umfangreiche Untersuchungen des Blutes und Knochenmarks notwendig, um zunächst die Diagnose zu bestätigen und im Weiteren die Art Leukämie festzustellen. Mit Hilfe sogenannter bildgebender Verfahren wird darüber hinaus das Ausmaß der Erkrankung bestimmt.

(Video) Akute Lymphatische Leukämie: Alles zu der Krankheit

Wenn der Hausarzt/Internist aufgrund der Krankheitsgeschichte und der körperlichen Untersuchungen Hinweise auf eine akute Leukämie findet, wird er zunächst das Blut untersuchen. Bestätigt sich dabei der Verdacht auf eine Leukämie, weil z.B. unreife Zellen im Blut gefunden werden, eine Anämie oder Thrombopenie vorliegt, muss die Diagnose zusätzlich durch die Analyse des Knochenmarks gesichert werden. Eine solche Untersuchung wird an einem spezialisierten Krankenhaus von einem Facharzt für Blut- und Krebserkrankungen (Hämatologe/Onkologe) durchgeführt. Er entnimmt mit einer Spritze unter örtlicher Betäubung Knochenmark aus dem Hüftknochen oder Brustbein (Knochenmarkpunktion). Dieser kurze, ambulante Eingriff kann für den Patienten etwas unangenehm sein, da es einige Minuten dauert, bis das Knochenmark in die Spritze gelangt.

Die anschließenden Laboruntersuchungen des Knochenmarks umfassen die äußerlichen, genetischen und immunologischen Merkmale der befallenen Zellen. Mit Hilfe der Analyse kann neben der Art der Leukämie auch die genaue Unterform der Erkrankung bestimmt werden. Da sich die Unterformen der akuten lymphatischen Leukämie deutlich in ihrem Krankheitsverlauf, der Prognose und dem Ansprechen auf verschiedene Therapie unterscheiden, ist die eingehende Untersuchung des Knochenmarks entscheidend, um einen geeigneten Plan für die Behandlung zu entwickeln.

Wenn eine ALL festgestellt wird, sind je nach Einzelfall zusätzliche Untersuchungen erforderlich, um den Befall anderer Organe des Körpers mit lymphatischen Blasten ausschließen zu können. Hierzu gehören das Röntgen des Brustkorbs, Computertomographie sowie die Ultraschalluntersuchung des Herzens und anderer innerer Organe. Außerdem wird aus der Rückenmarksflüssigkeit eine Probe entnommen (Lumbalpunktion), um festzustellen, ob ein Leukämiebefall des Gehirns vorliegt.

Im weiteren Verlauf nach Therapiebeginn sind immer wieder Knochenmarkpunktionen und andere Kontrolluntersuchungen notwendig. So kann z.B. mit Hilfe der MRD-Diagnostik überprüft werden, ob sich die Leukämie vollständig zurückgebildet hat (Remission), und ein drohender Rückfall frühzeitig erkannt werden.

ALL Untergruppen und Risikofaktoren

Die ALL ist keine einheitliche Erkrankung. Da bösartige Veränderungen der Lymphozyten auf verschiedenen Stufen der Zellentwicklung geschehen können, gibt es verschiedene Unterformen der ALL (Abb. 1).

Abbildung 1: Entstehung der ALL Untergruppen aus lymphatischen Zellen der verschiedenen Reifestufen. Ausgehend von den Entwicklungsstufen der normalen B- und T-Zellreifung (blauer Hintergrund) können sich die verschiedenen Formen der ALL entwickeln (gelber Hintergrund). Die Blasten tragen die Merkmale derjenigen gesunden Zelle, von der sie sich ableiten.

Die lymphatischen Blasten tragen dabei die Merkmale derjenigen Zelle, von der sie sich ableiten, und ihre Entwicklungsstufe kann eher unreif oder reif sein. Die Unterform der ALL sowie die zugrundeliegenden genetischen Veränderungen können mittels vergleichender Laboruntersuchungen wie Mikroskopie, Zytochemie, Immunphänotypisierung, Molekuargenetik, Zytogenetik oder in situ Hybridisierung bestimmt werden. Mit Hilfe der Immunphänotypisierung können zwei Hauptgruppen der ALL unterschieden werden: die T-Zell ALL und die B-Zell ALL. In der folgenden Tabelle sind die Häufigkeiten der einzelnen Untergruppen dargestellt.

Untergruppe

Häufigkeit

B-Zell ALL
Pro-B ALL
Common ALL
Prä-B ALL
Reife B ALL

75 %
20 %
40 %
10 %
5 %

T-Zell ALL
Pro-/prä-T ALL
Kortikale/thymische T ALL
Reife T ALL

25 %
6 %
13 %
6 %

Bei einem Teil der Patienten mit common- oder prä-B-ALL tritt zusätzlich eine genetische Veränderung auf, die als Philadelphia Chromosom (Ph+ ALL; sprich: Philadelphia positive ALL) oder Translokation t(9;22) bezeichnet wird. Die Ph+ ALL tritt vor allem bei älteren Patienten auf und spricht schlechter auf die herkömmlichen Chemotherapien an. In den letzten Jahren konnten aber neue Medikamente entwickelt werden, was die Ergebnisse der Behandlung und die Prognose für die betroffenen Patienten deutlich verbessert hat.

(Video) Neoplasien der Blutzellen - Teil 1 (Merkmale der Leukämien und Lymphome) - AMBOSS Auditor

Eine weitere besondere Form der ALL stellt das sogenannte Burkitt-Lymphom dar, das der reifen B-ALL ähnelt. Im Gegensatz zur reifen B-ALL findet man bei Patienten mit Burkitt-Lymphom jedoch weniger lymphatische Blasten im Knochenmark. Die kranken Zellen besiedeln in erster Linie die Lymphknoten. Das Burkitt-Lymphom erfordert eine andere Behandlung als die anderen ALL-Untergruppen, spricht aber für gewöhnlich gut auf die angepasste Therapie an.

Risikofaktoren

Im Laufe verschiedener Studien hat man herausgefunden, dass die Heilungschancen bei akuter lymphatischer Leukämie von verschiedenen Risikofaktoren abhängen. Diese Faktoren erlauben eine Prognose, wie gut ein Patient auf eine konventionelle Therapie reagiert und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Patient einen Rückfall (Rezidiv) erleidet. Rückfall bedeutet, dass die Leukämiezellen sich erneut vermehren, nachdem die Erkrankung zunächst zurückgedrängt werden konnte. Deshalb wird die Entscheidung, welche Therapie für einen Patienten die richtige ist, u.a. auf der Grundlage folgender Risikofaktoren getroffen:

  • Untergruppe der ALL
  • Lebensalter des Patienten
  • Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bei der Diagnose
  • Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten
  • Ansprechen des Patienten auf die Therapie

Nach Überprüfung dieser Risikofaktoren werden Patienten einer Risikogruppe zugeordnet, damit sie die Therapie erhalten, die die besten Heilungschancen für ihren individuellen Fall bietet. Patienten in einer ungünstigen Risikogruppe erhalten eine intensivere (stärkere) Therapie, um das Rückfallrisiko zu senken. Risiko dedeutet in diesem Fall lediglich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit. Ob ein Patient trotz Risikofaktoren jemals einen Rückfall erleidet, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen.

Die Prognose der ALL zeigt in den einzelnen Risikogruppen eine große Schwankungsbreite. Die Zahlen für ein leukämiefreies Überleben liegen dabei zwischen weniger als 10 % bis weit über 50 %. Zusammengenommen kann die ALL heute mit intensiven Kombinationschemotherapien in 35-50 % aller Fälle geheilt werden.

Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie

ALL ist eine schwere Erkrankung, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tode führt. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, dass nach der Diagnose umgehend mit einer Therapie begonnen wird. Der wichtigste Bestandteil der Behandlung bei ALL ist die Chemotherapie mit einer begleitenden Therapie zur Behandlung der Nebenwirkungen. Dazu können im Einzelfall eine Strahlentherapie oder eine Knochenmarktransplantation kommen. Alle Bestandteile der Therapie dienen dazu, die Leukämiezellen überall im Körper möglichst vollständig abzutöten, damit das Knochenmark wieder seine ursprüngliche Funktion - die Blutbildung - aufnehmen kann.

Die Behandlung einer ALL sollte nach Möglichkeit in einer Klinik durchgeführt werden, die über Erfahrung in der Behandlung von Leukämien - speziell der ALL - verfügt. Näheres zur Auswahl der richtigen Klinik erfahren Sie hier. Da die Behandlung langwierig und belastend ist, sollten sich Patienten und deren Angehörige umfassend über den geplanten Ablauf informieren. Der behandelnde Arzt wird ausführlich mit dem Patienten sprechen und ihn über alle Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie erhält ein Patient Medikamente, die Zytostatika genannt werden und gezielt das Wachstum von Leukämiezellen hemmen. Da ein einziges Medikament in der Regel nicht ausreicht, um alle Blasten zu vernichten, kombiniert man mehrere Medikamente mit verschiedenartigen Wirkweisen. Sie werden als Infusion, Spritze oder in Form von Tabletten gegeben. Die Chemotherapie gliedert sich in mehrere Zyklen, die durch Pausen (Intervalle) voneinander getrennt sind, in denen sich gesunde Zellen regenerieren können. Zur Beurteilung des Therapieerfolges werden in regelmäßigen Abständen das Knochenmark und andere befallene Regionen kontrolliert.

Strahlentherapie

Lymphatische Blasten können auch das Gehirn befallen, wo sie durch Chemotherapie alleine nur unzureichend abgetötet werden. Deshalb ist die Bestrahlung des Schädels fester Bestandteil der Behandlung bei ALL. Sie soll die Leukämiezellen im Schädel sicher beseitigen, um zu verhindern, dass diese Blasten den Ausgangspunkt für einen Erkrankungsrückfall bilden. Beim Burkitt-Lymphom oder T-ALL kann auch eine Bestrahlung des Mediastinalraums (Raum des Brustkorbs zwischen den Lungenflügeln, den großen Herz- und Lungengefäßen und Luft- und Speiseröhre) nötig sein. Manche Patienten entwickeln dort einen sogenannten Mediastinal-Tumor, einer massiven Ansammlung von lymphatischen Blasten. Die Strahlentherapie spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation.

(Video) Prof. Dr. Ralph Wäsch: Unterschied zwischen ALL u. AML sowie Daten u. Fakten zu Diagnose & Therapie

Stammzelltransplantation

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung besteht in der Stammzelltransplantation. Ziel dieser Therapie ist es, das erkrankte Knochenmark durch gesundes zu ersetzen. Bei der Stammzelltransplantation werden dem Patienten aufgereinigte Blutstammzellen eines passenden Spenders (allogen) oder seltener des Patienten selbst (autolog) mittels Infusion verabreicht. Für eine erfolgreiche Therapie müssen zuvor alle Leukämiezellen abgetötet werden. Dies wird durch eine starke Chemotherapie und eine Bestrahlung erreicht, die neben den lymphatischen Blasten auch die gesunden Zellen im Knochenmark zerstört. Da es sich um eine belastende und risikoreiche Therapie handelt, muss der Patient im Hinblick auf Allgemeinzustand und Alter für eine Stammzelltransplantation in Frage kommen. Bei der ALL wird eine Stammzelltransplantation meist nur dann durchgeführt, wenn aufgrund der Merkmale der Leukämiezellen davon ausgegangen werden muss, dass ein hohes Risiko eines Rückfalls besteht oder wenn der Patient bereits einen Rückfall erlitten hat.

Therapiestudien

In Deutschland werden die meisten ALL Patienten im Rahmen von Therapiestudien behandelt. Hierbei erhält der Patient Zugang zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird mit innovativen Medikamenten und entsprechend aktueller Behandlungsstrategien therapiert. Die Teilnahme an einer Studie bedeutet nicht, dass die Anwendung der eingesetzten Medikamente experimentell ist. Vielmehr ist es das Ziel, die Behandlungsstrategien der ALL in Zukunft zu verbessern. Die Entscheidung darüber, welche Studie für einen Patienten in Frage kommt, muss zusammen mit dem behandelnden Arzt gefällt werden. Dabei spielen verschiedene Kriterien z.B. Erkrankungsmerkmale, Erkrankungsphase, Vorbehandlung, Alter und Risikofaktoren eine Rolle. Die letzliche Entscheidung für eine Studienteilnahme trifft aber immer der Patient selbst.

Mehr als 100 Kliniken im gesamten Bundesgebiet beteiligen sich an den Studien der deutschen Studiengruppe für die akute lymphatische Leukämie des Erwachsenen (GMALL-Studiengruppe) und richten sich nach den Therapieempfehlungen dieser Studiengruppe. Dies ist wichtig, da es sich bei der ALL um eine sehr seltene Erkrankung handelt und einzelne Ärzte kaum die Möglichkeit haben, umfassende Erfahrungen zu sammeln. Patienten, die an Studien der GMALL teilnehmen bzw. entsprechend GMALL-Therapieempfehlungen behandelt werden, können zudem ihr Einverständnis dafür geben, dass ihre Krankendaten in pseudonymisierter Form in einem zentralen Register gespeichert werden dürfen. Diese Daten werden in Zukunft ebenfalls zu einer weiteren Verbesserung der Heilungschancen von ALL-Patienten beitragen. Die aktuellen Studien der GMALL finden Sie im Deutschen Leukämie-Studienregister. Kinder werden im Rahmen der pädiatrischen Therapiestudien für die ALL behandelt (BFM-Studiengruppe). Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren können in beiden Studiengruppen behandelt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Rückfall

Bei einem Rückfall der ALL wird zunächst erneut eine Chemotherapie durchgeführt. Bei späten Rückfällen kann die Induktionstherapie wiederholt werden, um erneut eine komplette Remission zu erreichen. Bei frühen Rückfällen oder wenn die Erkrankung nicht auf die Therapie anspricht (Therapieversagen), werden verschiedene Möglichkeiten z.B. mit neuen Medikamenten im Rahmen von Therapiestudien erforscht. Hier ist es wichtig, dass die behandelnden Ärzte über alle aktuell verfügbaren Therapiemöglichkeiten informiert sind. Ziel ist es, eine komplette Remission zu erreichen. Häufig wird dann, wenn Alter und Allgemeinzustand es erlauben und wenn ein Spender gefunden werden kann, eine Stammzelltransplantation durchgeführt.

Nachsorge

Die Zahl der Heilungen hat bei der ALL der Kinder und auch der Erwachsenen in den vergangenen Jahrzehnten ständig zugenommen. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind allerdings erforderlich. Sie umfassen eine allgemeine körperliche Untersuchung sowie Kontrollen von Blut und Knochenmark. Dabei geht es darum, Anzeichen für einen Rückfall oder Spätfolgen der Therapie frühzeitig zu entdecken. Mit dem Abstand von der Diagnose und dem Therapieende verlängern sich dann die Intervalle zwischen den Untersuchungen. Der behandelnde Arzt berät auch über die Möglichkeit einer Rehabilitationsmaßnahme (Reha). Sie wird in der Regel von den Krankenkassen finanziert und bietet eine gute Übergangsmöglichkeit, um wieder in ein „normales“ Leben zurückzufinden.

Für alle Patienten, die in einer GMALL-Studie oder entsprechend einer GMALL-Therapieempfehlung behandelt worden sind, wird ein kostenloser Patientenausweis angeboten. Dieser enthält wesentliche Informationen über die Erkrankung und die bisherige Behandlung des Patienten. Wenn sich ein Patient neu bei einem Arzt vorstellt, kann sich der Arzt anhand des Ausweises schnell und umfassend über die besondere gesundheitliche Situation des Patienten informieren. Im Ausweis kann der Patient aber auch selbst Einträge zu wichtigen Informationen, zukünftigen Behandlungsterminen oder zurzeit eingenommenen Medikamente anlegen. Zudem enthält der Ausweis auch Hinweise auf Internetseiten mit weiterführenden aktuellen und hilfreichen Informationen für Ärzte und Patienten. Den Patientenausweis erhalten Sie auf Wunsch von Ihrem behandelnden Hämatologen oder Onkologen.

Informationsbroschüre des Kompetenznetz Leukämien

(Video) Leben mit Leukämie (ALL): Erfahrungsberichte von Patienten

Die Patientenbroschüre zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL) des Erwachsenen im Kompetenznetz Leukämie wurde in Zusammenarbeit mit dem UCT Frankfurt und der Leukämiehilfe Rhein-Main g.e.V. neu herausgegeben. Sie berücksichtigt den derzeitigen Stand der Forschung und erklärt die Behandlungsmöglichkeiten bei der ALL des Erwachsenen. Insbesondere enthält sie aufgearbeitete Informationen und Wissenswertes über die Erkrankung für Patienten und Angehörige. Wichtige Inhalte sind unter anderem: Symptome, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und häufige Fragen zur ALL.

➲zum Download der Broschüre

Gedruckte Broschüren können Sie gerne beim Büro der Leukämiehilfe Rhein-Main g.e.V. über buero@LHRM.de bestellen.

Weitere Patienteninformationen

INFO-Blatt der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe; Stand: Dezember 2014 (Datum des letzten Seitenbesuchs: 30.09.15)

(Video) AbbVie erklärt die chronische lymphatische Leukämie (CLL) und die akute myeloische Leukämie (AML)

Erstellt von:Hehn (Informationszentrum) am 25.07.2014, letzte Änderung: 23.01.2017

FAQs

How long can you live with lymphocytic leukemia? ›

Some patients die rapidly, within 2-3 years of diagnosis, because of complications from CLL. Most patients live 5-10 years, with an initial course that is relatively benign but followed by a terminal, progressive, and resistant phase lasting 1-2 years.

What is acute lymphoblastic leukemia? ›

Acute lymphoblastic leukaemia is a type of cancer that affects white blood cells. It progresses quickly and aggressively and requires immediate treatment. Both adults and children can be affected. Acute lymphoblastic leukaemia is rare, with around 790 people diagnosed with the condition each year in the UK.

What is the main cause of chronic lymphocytic leukemia? ›

A family history of chronic lymphocytic leukemia or other blood and bone marrow cancers may increase your risk. Exposure to chemicals. Certain herbicides and insecticides, including Agent Orange used during the Vietnam War, have been linked to an increased risk of chronic lymphocytic leukemia.

Can chronic lymphocytic leukemia be cured? ›

Chronic lymphocytic leukemia (CLL) can rarely be cured. Still, most people live with the disease for many years. Some people with CLL can live for years without treatment, but over time, most will need to be treated. Most people with CLL are treated on and off for years.

What are the chances of surviving acute lymphocytic leukemia? ›

The 5-year survival rate for people age 20 and older is 40%. The 5-year survival rate for people under age 20 is 89%. Recent advances in treatment have significantly lengthened the lives of people with ALL.

Is acute lymphocytic leukemia fatal? ›

Acute lymphocytic leukemia (ALL) is also called acute lymphoblastic leukemia. “Acute” means that the leukemia can progress quickly, and if not treated, would probably be fatal within a few months. "Lymphocytic" means it develops from early (immature) forms of lymphocytes, a type of white blood cell.

Can you live a long life after acute lymphoblastic leukemia? ›

Generally, for all people with ALL:

More than 65 out of 100 people (more than 65 percent) will survive their leukemia for five years or more after being diagnosed. This is for all ages. Younger people tend to do better than older people.

Can you fully recover from acute lymphoblastic leukemia? ›

The medical community considers a person cured of acute lymphocytic leukemia if they're in total remission for 10 years. Up to 98% of children with ALL go into remission in about a month after treatment and 9 in 10 can be cured.

What is the best treatment for acute lymphoblastic leukemia? ›

Standard treatment of adult acute lymphoblastic leukemia (ALL) during the remission induction phase includes the following:
  • Combination chemotherapy.
  • Tyrosine kinase inhibitor therapy with imatinib mesylate, in certain patients. ...
  • Supportive care including antibiotics and red blood cell and platelet transfusions.
Nov 19, 2021

What stage is chronic lymphocytic leukemia? ›

The Binet staging system for CLL has 3 stages: stage A – you have fewer than 3 groups of swollen (enlarged) lymph nodes. stage B – you have 3 or more groups of enlarged lymph nodes. stage C – you have a low number of red blood cells or platelets.

What happens if chronic lymphocytic leukemia is left untreated? ›

If left untreated, you can develop serious complications from the disease such as anemia and symptoms such as fatigue and shortness of breath, bleeding and difficulty fighting off infections or frequent infections. In extreme circumstances you may need transfusions of blood or platelets prior to the diagnosis of CLL.

What organs are affected by chronic lymphocytic leukemia? ›

CLL causes a slow increase in a certain type of white blood cells called B lymphocytes, or B cells. Cancer cells spread through the blood and bone marrow. CLL can also affect the lymph nodes or other organs such as the liver and spleen. CLL eventually can cause the bone marrow to lose its function.

What foods should be avoided with CLL? ›

Cut back on processed foods.

This inflammation may play a role in the development of CLL. One study shows that a diet high in processed foods like sweets, fast food, refined grains, processed meats, and sweetened drinks raises your odds of getting CLL.

How do you know what stage leukemia is in? ›

Leukemia staging is generally determined by blood cell counts and the accumulation of leukemia cells within organs. When diagnosing leukemia, the test most commonly performed is a complete blood count (CBC), which measures: White blood cell count. Red blood cell count.

Can CLL patients live 20 years? ›

CLL has a very high incidence rate in people older than 60 years. CLL affects men more than women. If the disease has affected the B cells, the person's life expectancy can range from 10 to 20 years.

How fast does acute lymphocytic leukemia progress? ›

Acute lymphoblastic leukaemia (ALL) is a type of blood cancer. It starts from white blood cells called lymphocytes in the bone marrow. The bone marrow is the soft inner part of the bones, where new blood cells are made. ALL usually develops quickly over days or weeks.

Who is most at risk for acute lymphocytic leukemia? ›

Risk Factors
  • Being Caucasian (ALL is diagnosed more often in whites)
  • Being older than 70 years of age.
  • Past treatment with chemotherapy or radiation therapy.
  • Being exposed to radiation from an atomic bomb.
  • Having certain genetic disorders, such as Down syndrome.

How long can you live with acute leukemia without treatment? ›

Survival rates by type
TypeAge rangeSurvival rate
Acute Myeloid Leukemia (AML)This type of leukemia is most common in older adults, but it can be diagnosed at any age. Most deaths occur in people ages 65 to 84.Relative survival rate for all ages 5 years after diagnosis is about 29.5% .
4 more rows
Aug 18, 2021

How do you get acute lymphocytic leukemia? ›

Cancers (including ALL) can be caused by mutations (changes) that turn on oncogenes or turn off tumor suppressor genes. These types of changes can stop bone marrow cells from maturing the way they normally would, or help the cells grow out of control.

Is acute lymphocytic leukemia painful? ›

Bone pain can occur in leukemia patients when the bone marrow expands from the accumulation of abnormal white blood cells and may manifest as a sharp pain or a dull pain, depending on the location. The long bones of the legs and arms are the most common location to experience this pain.

Is lymphocytic leukemia painful? ›

Some people whose CLL has changed (transformed) into a high grade disease have bone pain and night sweats. Bone pain happens because there are too many leukaemia cells in the bone marrow, causing pressure on nerves and causing pain.

What are the final stages of chronic lymphocytic leukemia? ›

When the disease moves into the later stages, CLL cells crowd out the healthy cells in the bone marrow, which could lead to problems such as anemia, low platelets, and an enlarged liver and spleen.

What is the average lifespan of someone with leukemia? ›

Survival rates by type
TypeAge rangeSurvival rate
Acute Myeloid Leukemia (AML)This type of leukemia is most common in older adults, but it can be diagnosed at any age. Most deaths occur in people ages 65 to 84.Relative survival rate for all ages 5 years after diagnosis is about 29.5% .
4 more rows
Aug 18, 2021

How fast does chronic lymphocytic leukemia progress? ›

CLL is a slow-progressing form of cancer. It can take several years for symptoms to manifest. Doctors and researchers in the United States typically follow the Rai staging system, which classifies CLL into five stages , ranging from 0 to 4.

Does CLL shorten life expectancy? ›

Despite the advanced age at onset, CLL shortens the life expectancy of the majority of newly diagnosed patients,11-13 with survival relative to the age-matched population reduced for those < age 75 at diagnosis, including those with Rai stage 0 disease.

What is the best treatment for chronic lymphocytic leukemia? ›

If your doctor determines that your chronic lymphocytic leukemia requires treatment, your options may include:
  • Chemotherapy. Chemotherapy is a drug treatment that kills quickly growing cells, including cancer cells. ...
  • Targeted drug therapy. ...
  • Immunotherapy. ...
  • Bone marrow transplant.
Aug 10, 2021

What happens if acute lymphocytic leukemia is left untreated? ›

The leukaemia cells can build up in the lymph nodes, liver and spleen and sometimes make them bigger. If it wasn't treated acute leukaemia would cause death within a few weeks or months.

Can you live a long life with acute leukemia? ›

Almost 65 out of 100 (almost 65 percent) will survive their leukemia for five years or more after diagnosis. For those who are 40 or older: Around 20 out of 100 (around 20 percent) will survive their leukemia for five years or more after diagnosis. Your age affects how well leukemia responds to treatment.

Which type of leukemia is most curable? ›

Because of advances in diagnosis and treatment of this disease, APL is now considered the most curable form of adult leukemia. Cure rates of 90 percent have been reported from centers specializing in APL treatment.

Does chronic lymphocytic leukemia go into remission? ›

Your doctor might offer you treatment if you have symptoms, or if your CLL is at a more advanced stage. The treatment may get your CLL under control (in remission). You may then have a period where you do not need any treatment. This remission can last for years.

What is the peak onset for acute lymphocytic leukemia? ›

The peak age of diagnosis is between two and ten years of age. Acute Lymphocytic Leukemia is more common in children with Trisomy 21 (Down syndrome), neurofibromatosis type 1, Bloom syndrome, and ataxia telangiectasia. All are common in children between two and three years of age.

What are the symptoms of CLL getting worse? ›

Some people whose CLL has changed (transformed) into a high grade disease have bone pain and night sweats. Bone pain happens because there are too many leukaemia cells in the bone marrow, causing pressure on nerves and causing pain. The exact cause of the night sweats is unknown.

Videos

1. Chronisch lymphatische Leukämie (CLL) – Onkologie Kompakt #18 | health tv
(health tv)
2. Leukämie (Blutkrebs) - Erkrankungen des Blutes und des Kindesalters
(Psychotherapie & Coaching Lukas Rick)
3. T cell acute lymphoblastic leukaemia (T-ALL) cells
(Imperial College Faculty of Natural Sciences)
4. Leukämie: Menschen im Kampf gegen den Krebs | SPIEGEL TV
(DER SPIEGEL)
5. #EducationalShorts: ACUTE LYMPHOCYTIC LEUKEMIA (ALL) | Cancer Education and Research Institute
(CancerEdInstitute)
6. Akute Lymphatische Leukämie: Meine Diagnose & Wie ich Verantwortung übernommen habe
(Goldenelotusbluete)
Top Articles
Latest Posts
Article information

Author: Jeremiah Abshire

Last Updated: 02/21/2023

Views: 6565

Rating: 4.3 / 5 (74 voted)

Reviews: 89% of readers found this page helpful

Author information

Name: Jeremiah Abshire

Birthday: 1993-09-14

Address: Apt. 425 92748 Jannie Centers, Port Nikitaville, VT 82110

Phone: +8096210939894

Job: Lead Healthcare Manager

Hobby: Watching movies, Watching movies, Knapping, LARPing, Coffee roasting, Lacemaking, Gaming

Introduction: My name is Jeremiah Abshire, I am a outstanding, kind, clever, hilarious, curious, hilarious, outstanding person who loves writing and wants to share my knowledge and understanding with you.